Vortrag

Josef 'Jupp' Schugt jupp at gmx.de
Son Nov 17 01:18:20 CET 2002


* On 2002-11-16 22:03
* Michael Welle <m.welle at gmx.net> wrote:
>> Ganz meine Meinung. Wichtiger erscheint mir allerdings, dass Maddogs
>> Botschaft bei den Zuhörern (die Zuhörerinnen bildeten ja leider eine
> und die schienen nicht zwangsverpflichtet zu sein ;).

Hmm, mir ist jetzt wirklich nicht klar, ob du jetzt alle Zuhörer oder
nur die Zuhörerinnen meinst.

>> sehr kleine Minderheit) angekommen ist und Anklang gefunden hat. Er
> Das Publikum machte das auch relativ einfach.

Na ja, ich habe mit mir gerungen, ob ich ihn ganz am Anfang mit einem
'GNU/Linux, not Linux' konfrontieren sollte, aber ich hab's dann doch
sein gelassen >;->

> Du weisst wie es geht, ich weiss es auch. Trotzdem gelingen mir
> Vortraege selten bis nie so gut.

Da bist du in guter Gesellschaft. Es gibt genügend Dozenten, bei
denen man peinlich von den Redekünsten berührt ist und über deren
UJUs [1] nur aus Höflichkeit gelacht wird.

Es gibt kaum ein Fach, bei dem Theorie und Praxis weiter auseinander-
klaffen können, als die Rhetorik.

>> Außerdem hat Maddog sein ernsthaftes Anliegen in eine unterhaltsame
>> Form gebracht. Wer kennt nicht jene weit verbreitete Spezies von
>> Rednern, die dem Irrglauben anhängt, Ernsthaftigkeit und gähnende
>> Langeweile seien untrennbar miteinander verbunden.
> ...auch Persoehnlichkeit dazu gehoert. Man muss die Leute irgendwie
> auf seine Seite zerren. Press the button. Wenn man einen gag macht,
> muessen die Leute lachen, Neugier muss aufkommen. Wenn sie lachen,
> wenn man eigentlich keinen Witz gemacht hat oder wenn sie neutral
> schauen, kann man eigentlich schon einpacken.

Na ja, mancher Redner ist hart im Nehmen. Bei einigen hat man den
Eindruck, dass sie sich (überspitzt formulert) erst dann bewusst
werden, dass sie etwas falsch gemacht haben, wenn der Notarzt bereits
versucht, die Zuhörer aus dem Koma herauszuholen.

So richtig ärgerlich wird es immer dann, wenn man ganz genau weiß,
dass das Gegenüber interessante Dinge zu berichten hat, der Vortrags-
stil aber so ermüdend ist, dass man allem Interesse zum Trotz
einschläft.

Einige Zitate aus dem Bericht der UpTimes über den Linux-Kongress
zeigen, dass jeder noch so gute Vortrag unter dem Vortragsstil leiden
kann:

"...trug seien Stoff sehr schnell vor und verlor dadurch sicher den
einen oder anderen Zuhörer auf halber Strecke, sofern dieser sich
nicht schon grundlegend mit der Materie vertraut gemacht hatte."

"...hat seinen Vortrag - und leider auch seine Folien - voll gepackt
mit Informationen zum Thema ... Diese gebündelten Inofrmationen waren
teilweise selbst für die anwesenden Fachleute zu viel"

"...führte in seiner gewohnt freundlichen Art - aber in einem schwer
verständlichen Englisch - in die komplexe Materie ... ein."

Wenn negative Aussagen über den Vortragsstil einen erheblichen Teil
eines Kurzberichts über einen Vortrag ausmachen, dann ist das
zumindest bedenklich und zumindest ich frage mich, ob es nicht sinn-
voll wäre, dagegen etwas zu tun.

Wenn jemand einen Vortrag halten will, dann ist es fast immer
sinnvoll, wenn er zunächst einen Probevortrag vor Bekannten hält, um
Gelegenheit zu haben, Mängel vor dem Vortrag abzustellen. Gerade wenn
man noch nie einen Vortrag gehalten hat, macht man teilweise haar-
sträubende Fehler (wenn ich mich an meinen ersten Vortrag erinnere,
dann möchte ich am liebsten im Erdboden versinken, kaum ein Fett-
näpfchen habe ich ausgelassen).

Selbst geübte Redner haben Probleme. Wenn man sich mit einem Thema
intensiv beschäftigt, dann setzt man oft Dinge als bekannt voraus,
die dem Normalsterblichen unbekannt sind. Auch in diesem Fall hilft
ein Probevortrag vor "Unbedarften".

Wenn jemand einen Vortrag über ein Thema aus dem Bereich der Freien
Software halten will, dann wäre es vielleicht sinnvoll, wenn sich
einige Gleichgesinnte finden, damit er einen Probevortrag halten
kann.

Ein schlechter Vortragsstil suggeriert allzu leicht, dass man nicht
von dem überzeugt ist, was man erzählt. Welche gequirlte Sch...
andererseits einem Demagogen als letzte Wahrheit abgenommen wird,
muss hier in Deutschland hoffentlich niemandem erklärt werden (zur
Erinnerung: Heute ist Volkstrauertag).

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Josef 'Jupp' Schugt

[1] Unidentified Jokelike Utterance
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Web: http://jupp.tux.nu/       __..--""""""--..__         jupp at gmx.de
_________________________..--""  There's source  ""--..______________
Meckenheimer Str. 66a    ""--..__  out there!  __..--""
53179 Bonn, DE/EU                ""--..__..--""      +49 228 34 24 85