C und patch

Josef 'Jupp' Schugt jupp at gmx.de
Sam Nov 30 17:18:05 CET 2002


* On 2002-11-29 00:17
* Adrian Holzwarth <adrian at holzwarth.net> wrote:
>>> Ein Deutscher weiß sofort, was gemeint ist, erkennt beim
>>> Hingucken aber auch, daß dieser dämlich kurze Satz locker vier
>>> verschiedene Lesarten hat.
> "Jo sieht Bea im Bett." 
> 
> So. Damit hätten wir
> 
> 1: Jo und Bea sind im Bett, Bea wird von Jo gesehen.
>    [ PP hängt am Satz ]
> 
> 2: Jo macht die Schlafzimmertür auf und sieht Bea im Bett.
>    [ PP hängt am Objekt... Hoffentlich war Bea alleine... ;) ]
> 
> 3: Jo und Bea sind im Bett, Bea ist die Sehende.
>    [ Objekt-Topikalisierung, PP hängt am Satz ]
> 
> 4: Die Bea, die da im Bett rumhängt, sieht Jo.
>    [ Objekt-Topikalisierung, PP hängt am Subjekt ]

Jetzt ist mir das Problem klarer geworden: Ich bin zu sehr daran
gewöhnt, die passende Formulierung zu verwenden, um auf die teilweise
absonderlichen Bedeutungen zu kommen:

1. Jo sieht Bea neben sich im Bett liegen.
2. Jo sieht Bea, die im Bett liegt.
3. Jo wird von Bea gesehen, die neben ihmn im Bett liegt.
4. Jo wird von Bea gesehen, die im Bett liegt.

Weil die deutsche Sprache dazu geeignet ist, Sachverhalte präzise
darzustellen, unterstelle ich anderen Menschen unbewusst, dass sie
außerhalb von literarischen Werken keine ungewöhnlichen Bedeutungen
unterlegen und bei literarischen Werken die Möglichkeit zur
Hervorhebung von Worten nutzen...

> Der dämlichen Maschine fehlt in aller Regel das nötige Wissen um
> die Häufigkeit der grammatikalischen Strukturen für bestimmte
> Verben (es gibt aber durchaus statistische Parser!), es fehlt in
> aller Regel formalisiertes Weltwissen, das uns Menschen auch zur
> Auflösung von Mehrdeutigkeiten verhilft.

Fragt sich natürlich, ob Maschinen wirklich Wissen über die Welt
haben sollten. Nüchtern betrachtet ist der Mensch nun die schlimmste
Fehlentwicklung der Erdgeschichte. Eine rein logisch handelnde
Maschine könnte daraus die Konsequenzen ziehen.

>>> Allein schon, weil der Rechner im Gegensatz zu Dir und mir erstens
>>> genau keinen Fehler machen darf
>> 
>> Windows existiert.
> 
> Gesundheit. Du bist glücklicher Windows-Nutzer, ja?

Windows widerlegt eindrucksvoll die These, dass der Rechner keinen
Fehler machen darf.

>> Also beispielsweise bei 99.9% aller Internetseiten.
> 
> Du siehst ja täglich, was dabei herauskommt.

Ich besuche fast ausschließlich die anderen 0.1%.

> 
> Möchtest Du einen "well-educated guess", wenn Du 'make&run' ein
> Compilat bastelst? Ein Programm, das aus statis(ti)scher
> Information entscheidet, welchen Fehler Du wahrscheinlich gemacht
> hast? Nein danke.

Mir würde das wahrscheinlich einen Heidenspaß machen >;->

> Bei meinen Recherchen stieß ich zum Thema "fehlertolerantes Parsen"
> im Sprachwissenschaftsgebäude auf Zustimmung, im Informatik-Trakt
> jedoch erwartungsgemäß auf erschrockene Ablehnung.

Schuss in's Blaue: Die Informatiker haben keinen blassen Schimmer,
wie man so etwas implementieren soll ...

> Ich hab genug kaputte Seiten gesehen um behaupten zu dürfen, daß
> auch ein Browser [2] fehlbar ist.

Ich vermute, dass es sich bei den Katastrophen um deutsche
Internetseiten handelt. Die einzigen deutschen Internetseiten, die
ich regelmäßig besuche, sind der Heise-Newsticker und die Seite des
NOC des DFN, auf der die aktuellen Troubletickets zu finden sind.
Heise würde unter Mailfluten ersticken, wenn die Seiten nicht für
praktische jeden Browser geeignet wären und das NOC des DFN kann sich
kaputte Internetseiten erst recht nicht leisten.

Josef 'Jupp' Schugt <jupp at gmx.de>                 http://jupp.tux.nu/
-- 
Meckenheimer Str. 66a, 53179 Bonn, DE/EU             +49 228 34 24 85
I was deeply shocked by learning that a Windows XP Pro Recovery CD at
39,- EUR is a pirated copy. Does this mean that my Linux distribution
which did cost less and has more features is a pirated copy as well?