Warnung vor dem Automounter

Rasmus Plewe rasmus at lst.de
Sam Jun 22 00:30:39 CEST 2002


Hallo,

jetzt werden mir aber der Binsenweisheiten zu viele, da sag ich doch
nochmal was zu.

On Fri, Jun 21, 2002 at 06:04:18PM +0000, Josef 'Jupp' Schugt wrote:
> On Thu, 20 Jun 2002 21:32:07 +0200,
>    "Jan T. Kim" <kim at inb.mu-luebeck.de> wrote:
> 
> > Naja -- langfristig ist es die groesste Benutzerunfreundlichkeit,
> > den usern die Information, die sie halt brauchen, vorzuenthalten.
> 
> Dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen: Genau diese Art der
> Benutzerunfreundlichkeit von Windhoos ist der Grund dafür, dass ich
> auf Linux umgestiegen bin.

Stimme ich zu, nur stelle ich, wohl im Gegensatz zu euch, die Frage
"braucht der Benutzer die Information, und wenn ja, was ist
schiefgelaufen dass er sie braucht?" Vor Fuenf Jahren noch war es
praktisch noetig dass der Benutzer wusste wie man einen kernel
kompiliert, das ist heutzutage praktisch immer unnoetig. Und wo soll
da auch der sittliche Naehrwert liegen? Ich habe ueberhaupt keine
Probleme damit moeglichst viele Schichten zwischen mich und die
Register der CPU zu legen, die ich bis auf die letzte eigentlich auch
gar nicht verstehen muss. Meine Tastatur hat mehr als zwei Tasten, auf
denen 0 und 1 steht, und das ist auch gut so. 

Was ihr gewissermassen fordert ist: "Was soll der Bloedsinn einen PATH
zu setzen, der Benutzer muss schliesslich wissen wo die Sachen sind". 
Und ich sage: Muss er nicht, das kann und muss das System selber
erledigen. 

> > Es ist doch eine Legende, dass man irgendwem ersparen kann, das
> > wissen zu muessen, was er halt wissen muss.
> 
> Dem kann ich ebenfalls nur zustimmen. 

Klar kannst Du dem ebenfalls zustimmen. Ist ja auch nur eine
Wiederholung der ersten Aussage. 

> Da fragte mich doch einmal
> jemand "Kann Exchange Mails von externen POP3-Accounts importieren?"
> 1. 2. 3. 4. 5. 

Meiner Ansicht nach macht die Frage keinen Sinn. Aber vielleicht hab
ich sie nur nicht verstanden. M.E. ist es der Normalfall, dass POP3
accounts extern sind, erst recht bei Windows.

> Ich habe etwas gegen Dokumentationen, aus denen ich nicht erkennen
> kann, ob eine Software ein Leistungsmerkmal hat oder nicht :-(

Und dann findest Du Linux so wahnsinnig klasse? Hast Du mal ein paar
man pages so richtig intensiv durchgelesen? Die, wo immer drin steht
"ich sag Dir nichts, nimm doch info" - und "info" ist ja nun wirklich
ein Synonym fuer nichtbrauchbare Dokumentation. Aber auch so gibts
genug man pages die nicht so einfach verstaendlich sind. 

> Bei mir werden Disketten nur dann gemountet, wenn das Dateisystem es
> erforderlich macht. Bei vfat gibt es keinen vernünftigen Grund dafür.
> Die mtools arbeiten sehr zuverlässig.

Du bist das Mass aller Dinge, klar. Ich kann noch einen drauf setzen,
jede Diskette per dd auf Platte holen, loopback mounten, per dd wieder
zurueck schieben - voila, gar kein mounten, ich bin viel l33t3r als
Du. Das kann doch wohl nicht das Ziel sein.

Ihr wisst Fortschritt und Bequemlichkeit nicht zu schaetzen. Das ging
mir frueher auch so. In letzter Zeit habe ich mit Systemen zu tun,
die, sagen wir mal, irgendwo in den 80ern stehen geblieben sind (csh,
sh, mit Glueck noch ksh, keine GNU tools, keine history, keine tab
completion, kein emacs, und die ueblichen tools sind irgendwie auch
alle kastriert) - ich sehe das anders. Soll der Rechner mir die ganzen
laestigen peripheren Sachen abnehmen, damit ich mich um die wirklich
wichtigen Dinge kuemmern kann. Und die Entscheidung, bis zu welchem
Grad _ich_ diese Bequemlichkeiten haben will, die will ich treffen. 
Und nicht vorgeschrieben bekommen von ein paar Systemprogrammierern
die meinen "mehr Komfort braucht keiner, ab da muss der Benutzer halt
wissen was er wissen muss".

So, weitergelenkt auf die andere Liste...


Gruss,
       Rasmus
-- 
The Army has carried the American ... ideal to its logical conclusion.
Not only do they prohibit discrimination on the grounds of race, creed
and color, but also on ability.
                -- T. Lehrer